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<title>Zwang Haft</title>
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<description>Tagebuch des kleinen Wahnsinns</description>
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<lastBuildDate>Sun, 13 Jan 2008 22:54:20 +0100</lastBuildDate>
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<title>Es gammelt! Überall Gammel</title>
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<description><![CDATA[Jeder kennt Wohnungen, die vollkommen vermüllt sind und deren Bewohner sich meist selbst nicht helfen können, das Müllchaos zu beseitigen. Für einen Zwängie wäre die Hölle im Gegensatz zu diesen Wohnungen der reinste Kurort. Allerdings, Gammel ist nicht gleich Gammel und wenn etwas schimmelt, für einen normalen Menschen mag das ärgerlich sein. Wenn man allerdings einen Partner hat, der nicht nur Furcht vor jeder Art von Schmutz hat, dann ist alles, was sich nicht abwischen lässt, grundsätzlich verschimmelt und somit unbrauchbar. <br /><br /> Was ist alles nicht sofort &quot;abwischbar&quot; und zu reinigen und hat dennoch einen gewissen &quot;Schimmeltouch&quot;? Also &quot;Schimmeltouch&quot; mag ziemlich übertrieben sein, aber hier ist der Pilz allgegenwärtig. Beispielsweise Lebensmittel. NOCH sind wir nicht an dem Punkt, daß Lebensmittel, sobald sie älter als 3 tage sind, automatisch unbrauchbar sind und anfangen mit Schimmeln, bisher ist das <b>Mindeshaltbarkeitsdatum</b> das Stichdatum, bis wann bestimmte Lebensmittel <i>maximal haltbar</i> sein dürfen. Beispiel Wurst und Käse. Ist Wurst auch nur einen Tag über dem Ablaufdatum, dann schmeckt sie schon gammelig und muß weg. Am besten wäre es, die Tupperdosen auch gleich mit entsorgen denn <i> es könnten sich ja Schimmelsporen festsetzen, die selbst die Spülmaschine</i> (läuft zwangsläufig auf 70°C!)<i> nicht wegbekommt.</i> Eigentlich unmöglich, jeder normale Mensch, der nicht zwanghaft ist, weiß es, aber im Laufe der Jahre sind mir die Argumente ausgegangen und ich habe nicht die Energie und Kreativität, die Welt im goßen und kleinen, noch einmal neu zu erklären, warum jenes so und dieses nicht fuinktioniert. <u>Man will nur noch seine Ruhe haben und von der Putzmittel- und Panikorgie nichts mehr wissen, einfach nur Ruhe und Stille!</u><br /><br />
Peinlich wird es dann, wenn die banalsten Dinge anfangen mit Schimmeln. Beispielsweise das selbstgebackene Brot. Mir ist es lieber, ich backe mir mein Brot selbst anstatt daß ich mir Industribrot kaufe, was meist vorgeschnitten, ziemlich feucht im Plastebeutel hängt und, das wird jeder verstehen, ziemlich schnell zum Verschimmeln neigt. Selbst gebacken schmeckt besser, ist länger haltbar und sieht auch optisch besser aus. Die Sache hat nur einen kleinen Haken, zumindest bei Vollkornprodukten. Jeder kann es nachvollziehen, daß, wenn Lebensmittel mit einem nicht mehr ganz so scharfen Messer auseinander geschnitten werden, daß in kleinstem Maßstab die Struktur des Lebensmittels mehr oder weniger &quot;zerrissen&quot; als zerschnitten wird. Oberflächlich betrachtet mag es vielleicht tatsächlich aussehen, als hätte sich Belag gebildet Das Messer, mit dem ich meist Brot schneide, ist allerdings noch scharf genug, daß auch Körner im Vollkornbrot sauber durchschnitten werden, alles in allem noch eine &quot;saubere&quot; Sache. Nun ist es allerdings so, daß die sauber durchtrennten Körner an der Schnittfläche <i>weiss</i> sind. Jeder Zwängie wird wissen, was ich meine, meiner Partnerin fallen <i>Unregelmäßigkeiten</i> sofort auf, so auch die zertrennten Körner im Körnerbrot, die bei ihr meist sofort eine panikreaktion auslösen.<br /><br />
<i>Das Brot ist verschimmelt!</i> kommt dann meist jeden Abend. Dessen nicht genug, es wird erst einmal inspiziert, was vom Abendessen noch vom Gammelschimmel befallen sein könnte. Die Wurst ist frisch, das ist allerdings kein Hinderungsgrund, daß die bereits so vom Fleischer verkauft sein könnte. Wir wissen ja, Gammelfleischskandale. Jedes Fettauge, was da weiß oder gelblich aus der Wurst grinst könnte ja Schimmel sein.<br /><br />
<i>Da ist Schimmel auf der Wurst!<br /><br />
Nein, das ist kein Schimmel, das ist nur Fett!<br /><br />
Aber das sieht aus wie Schimmel! Da, überall weiße Punkte!<br /><br />
Nein, das ist nur Fett, die Wurst kannst du ohne Probleme essen!<br /></i><br />
Erst nachdem die Wurst minutenlang unter hellem Licht und <i>Beinahe-Laborbedingung</i> inspiziert wurde, hatte meine Partnerin festgelegt, dass sie die vermeintliche <i>Gammelwurst</i> nicht essen wolle. eder wird sich vorstellen können, dass bei mir mittlerweile die Geduld zur Ungeduld wechselte und diese immer größer wurde, als meine Partnerin als nächstes die aufgebackenen Brötchen untersuchte und &quot;Ungrelmäßigkeiten&quot; in der Kruste als <i>eingebackene Schimmelflecken</i> identifizierte. Was dann meist passiert, könnte aus einem Horrofim stammen und für mich ist es dann meist auch einer. Die Brötchen fliegen auf den Tisch, die Panikstimmung wechselt zu Ekelstimmung, es wird lauter und man brüllt, als gäbe es gebackene Vogelspinne mit Grünkohl an Selleriecreme. Was soll ich dann noch antworten? Vor allem, wenn ich mehrfach beteuert habe, daß die Lebensmittel einfandfrei seien. Aus Erfahrung weiß ich aber, daß mein Wort nicht zählt, ich bin mir nicht einmal sicher, ob meine Partnerin in diesen Panikmomenten überhaupt in der Lage ist, mich zu verstehen und meinen Worten in irgend einer Weise zu folgen. Es grenzt dann schon an einem Automatismus, daß ich versuche, ihre Panikstimmung mit lauter werdener Stimme zu übertönen. Quasi versuche ich sie zu &quot;überholen&quot; um sie irgendwie zu stoppen. Ich mußte feststellen, daß mit leisen Tönen, mit Geduld und Engelszungen kein Blumentopf zu gewinnen war und, vor allem, wenn es um Schimmel geht, ich gegen Wände rede. <br /><br />
Lebensmittel sind allerdings nicht die einzigen Objekte, die man &quot;verschimmeln lassen kann&quot;. Da wäre noch Kleidung, die ein paar Stunden zu lange im Trockner vor sich hin &quot;schimmelt&quot;, da sind die Möbel die, werden sie nicht regelmäßig gesäubert, beginnen zu schimmeln und der größte Scherz und es ist kein Spaß, bin ich selbst. Da ich in dieser Beziehung wahrlich genug graue Haare bekommen habe, ich beginne zu schimmeln.<br /><br />
Ja, ich habe zuerst genauso reagiert!]]></description>
<pubDate>Sun, 13 Jan 2008 22:54:20 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>5. Ich hasse dich, verlass mich nicht, damit ich dich kontrollieren kann</title>
<link>http://zwanghaft.blogg.de/eintrag.php?id=6</link>
<description><![CDATA[Dieser Punkt hat weniger mit Wasch- oder Putzzwängen zu tun, er fällt in die Kategorie einer anderen Persönlichkeitsstörung, nämlich dem Borderline.<br /><br />
Borderline, auch als BL abgekürzt. hat mit Zwängen ziemlich wenig gemeinsam. Es gibt zwei vollkommen unterschiedliche Dynamiken und auch die Ursprünge von Zwang und sprunghaftem Verhalten sind absolut nicht identisch. Rein theoretisch hat BL mit dem Verlauf einer Zwangserkrankung nichts gemeinsam. Schaut man genauer hin, dann kann man, nicht nur bei einem BLer, ziemlich viele Handlungen erkennen, zu denen sich der oder die Betroffene mehr oder weniger &quot;zwingt&quot;, möglicherweise von seinem Unterbewußtsein &quot;gezwungen&quot; wird, je nach Betrachtungsweise. <br /><br /> Zwei Dinge sind mir in den letzten Tagen aufgefallen, die immer stärker hervorgetreten sind und bedrohliche Ausmaße angenommen haben. Es ist neben der erwähnten Sprunghaftigkeit die vermeintliche Wahrnehmung von Dingen und &quot;Fakten&quot;, die sich für jeden anderen Menschen, auch für mich, vollkommen anders ausnehmen. Da wäre beispielsweise das &quot;Phänomen&quot;, mit irgend etwas zusammen zu stoßen, Türrahmen, Tische, Wände, Fensterbänke. Eigentlich und das sollte auch vollkommen normal und unspektakulär sein, kann man in einer (gemeinsamen) Wohnung mit allem kollidieren, was in derselben physisch von den Wänden absteht. Jeder &quot;Normalo&quot; wird sich jetzt fragen &quot;UND?&quot; <br /><br />
Ja nix und. Jeder normale Mensch wird nicht einmal registrieren, ob und wann und wie er auf &quot;leichte&quot; Weise mit diversen Möbelstücken kollidiert, weil derartige Berührungen im normalen Leben so unwichtig sind, daß sie das Gehirn kaum wahrnimmt, es sei denn, es wird ein Schmerzreiz wahrgenommen. Aber das Berühren eines vermeintlich schmutzigen Gegenstandes? Ergo: völliger Unsinn. Anders allerdings bei meiner Partnerin. &quot;Zwangsweise&quot; hat sie auch ein vollkommen perfektes Gedächtnis für &quot;Fehlstellen&quot;. Jeder kann sich an Mr. Monk erinnern (RTL Serie) Adrian Monk hatte eine ziemlich außergewöhnliche und fast perfekte Auffassungsgabe und ein ebenso perfektes Einnerungsvermögen. Bei ihm wäre es wohl vollkommen normal gewesen, auf Aubruf den Schmutzfleck an irgend einer Stelle auf irgend einem Anzug zu irgendeiner Tages/Jahreszeit bei einem beliebigen Menschen in Erinnerung zu rufen, an den sich ein Normalo nicht einmal mehr nach zehn Sekunden erinnern kann. Anders ist dieses Vermögen bei Zwangserkrankten und bei meiner Partnerin besonders. Nicht nur, daß sie sich &quot;erinnern&quot; kann, daß gewisse Dinge schmutzig sein sollen, sie hat ebenfalls &quot;wahrnehmen&quot; können, daß ich mit diesen Dingen in Berührung gekommen bin. Nun hat diese Angelegenheit allerdings einen Haken. Entweder habe ich meine Fähigkeit, meine Umwelt wahrnehmen zu können, vollkommen verloren oder meine Partnerin nimmt Dinge auf eine Art und Weise wahr, die schon einer therapeutischen Hilfe bedarf. So meint sie, über &quot;Ecken&quot; und hinter meinem Rücken, wuasi durch mich hindurch, &quot;sehen&quot; zu können, wie ich Dinge berühre. Darf ich mir dabei manipuliert vorkommen, wenn mir nebenher (von einer psychisch kranken Person!!!) suggeriert wird, ich sei nicht in der Lage, mich ohne fremde Hilfe auf den Beinen zu halten? Nein, darf ich nicht, denn sobald ich die &quot;Wahrnehmung&quot; in Zweifel ziehe, springt ein ziemlich zweifelhafter &quot;Schutzmechanismus&quot; bei meiner Partnerin an, der mich regelmäßig zur Weißglut treibt und den Vorwurf der mangelnden Impulskontrolle bei mir (entsprechendes wirft sie mir ja immer wieder vor, so etwa drei oder viermal täglich) entwickelt sich zur selbsterfüllenden Prophezeiung.<br /><br />
Ein weiterer großer Punkt ist ein sich entwickelnder Kontrollzwang. Zwang, nicht etwa auf Zählen und das Verschließen von Fenstern und Türen bezogen, sondern auf die direkte und unmittelbare Umwelt und deren absolute Hygiene und &quot;logische Lauberkeit&quot;. Weiß irgendjemand, was logische Sauberkeint ist? Damit sind alle Abfolgen der zu putzenden Gegenstände und Einrichtungen gemeint, die unbedingt einzuhalten sind. Putzlappen, sonstige Putzmittel und alle dazu gehörigen Handlungen sind natürlich &quot;strategisch eingeteilt und geplant&quot; und ein Abweichen vom festgelegten Handlungsplan hat natürlich Streß, Streit und Ratlosigkeit zur Folge.<br /><br />
Kontrolliert wird alles und das zu jeder Zeit. <br /><br />
Hast du Hände gewaschen?<br /><br />
Hast du richtig Hände gewaschen?<br /><br />
Hast du geputzt?<br /><br />
Hast du hier auch geputzt?<br /><br />
Du hast das hier vergessen<br /><br />
Du hast dir eben nicht die Hände gewaschen<br /><br />
Ich habe mitbekommen, daß du nicht gründlich genug geduscht hast!<br /><br />
Ich habe gesehen, daß du gegen den Türrahmen gekommen bist<br /><br />
Ich weiß, was du eben angefaßt hast<br /><br />
um nur einige nervende Beispiele zu nennen. Diese, immer wieder vorgetragen, kann eine Familie komplett in den Wahnsinn treiben und kein Staatsanwalt braucht sich in diesem Fall über sogenannte Familientragödien mit Leichen und Leichenteilen zu wundern. Als Außenstehender muß man sich allerdings auch nicht wundern, daß die Fragen gestellt werden, obwohl meine Partnerin in unmittelbarer Nähe steht und mir bei den Dingen zuschaut, mich kontrolliert. Sie &quot;muß mich kontrollieren, sonst mache ich ja alles falsch&quot;. In Wirklichkeit wäre es krankhafter, für Angehörige peinlicher und ernidrigender Kontrollwahn, den meine Partnerin weder als solchen wahrnimmt oder einsieht. Im Gegenteil, in den meisten Fällen ist es die Umwelt, die für gefährlich, verrückt und unzurechnungsfähig erklärt wird.]]></description>
<pubDate>Sat, 05 Jan 2008 01:36:10 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>4. Zwang, zwingen, zwingen lassen</title>
<link>http://zwanghaft.blogg.de/eintrag.php?id=5</link>
<description><![CDATA[Man mag es vielleicht kaum glauben, aber ein Zwang zwingt den oder die Betroffenen nicht allein, auch Angehörige stehen in gewisser Weise unter dem Zwang und nehmen nicht selten dieselben Zwangsverhalten an, ob sie es nun wollen oder nicht. Letztlich sind es diese Verhaltensweisen, die für Betroffene und Angehörige als &quot;normal&quot; gelten, für Außenstehende als vollkommen irrational, irre und befremdlich wirken. Das beginnt schon beim häufigeren und vor allem, längerem Händewaschen, es führt dazu, daß nicht nur Betroffene sondern auch Angehörige länger und häufiger duschen als es in &quot;normalen&quot; Familien der Fall sein würde. Und es führt dazu, daß man als Angehöriger selbst gewisse Sichtweisen, was Schmutz betrifft, übernimmt. In gewisser Weise kann kan das Training nennen. So kann man sich auch vorstellen, wie es denn wäre, wenn noch Kinder im Haushalt leben würden, denen auf diese Weise ein Zwangsverhalten antrainiert und anerzogen werden würde, es wäre quasi ein Schaden fürs ganze Leben. <br /><br /> Die &quot;Sicht auf den Schmutz&quot; funktioniert bei Angehörigen in gewisser Weise auch bei der Beseitigung desselben. Das Putzen selbst ist irgendwie, so meine &quot;Erfahrung&quot;, erlernbar. Aus der richtung Co-Abhängigkeit heraus gesehen, wird man irgendwann immer &quot;besser&quot;, man übernimmt den Zwang immer perfekter und entwickelt auch sonst in manch anderen Dingen so etwas wie einen &quot;Ausgleichszwang&quot;. Das muß nicht unbedingt ein Wasch- oder Putzzwang sein, es können sich auch Verhaltensweisen in vollkommen anderen, banalen Richtungen ändern, zum einen, um die Co-Abhängigkeit aufrecht zu erhalten und zum anderen, im Teufelskreis des Zwangsverhaltens zu &quot;rebellieren&quot;, wer gezwungen ist, zu putzen, wird sich selten dasselbe &quot;Hobby&quot; suchen. Statt dessen wird sich &quot;Zwangsweise&quot; eine andere Sicht auf gewisse &quot;perfekte&quot; Dinge ausprägen. Perfekt - Perfektion -  Pedanterie - bewusstes oder auch unbewusstes Putzen, Geraderücken, Zupfen, Ausrichten oder auch Ordnen. Mehrere Ursachen liegen hier zu Grunde. Zum einen ist es die besagte Co-Abhängigkeit, die zu ähnlichen Verhaltensweisen &quot;zwingt&quot;, zum anderen ist es der sogenannte &quot;Cargo-Effekt&quot;, wie ihn Antropologen beschreiben würden. Darunter versteht man das Verhalten von Naturvölkern, die ihre vermeintlichen &quot;Götter&quot; nachahmen, in der Hoffnung, sie kehren eines Tages zurück. Tatsächlich kann man dieses Verhalten bei einigen Inselvölkern im Pazifik beobachten. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges haben Amerikaner auf manchen Inseln gerätschaften und Gebäude zurückgelassen, die in ihrer ursprünglichen Form oder als Nachbauten, von den Ureinwohnern quasi als Ort für eine selbst angenommene, fremde Handlung benutzt werden. Die Amerikaner stellten für die Pazifikinsulaner, die bis dato nichts von Flugzeugen und modernen Fernwaffen gehört oder gesehen hatten, so etwas wie &quot;höhere Wesen&quot; dar, deren Handlungsweisen und Arbeiten teilweise &quot;kopiert&quot; wurden, in der Hoffnung, die vermeintlichen &quot;Götter&quot; kehren eines Tages zurück.<br /><br />
In gewisser Weise verhält es sich in einer Co-Abhängigkeit ähnlich. Man versucht alles, um einen gewissen Zustand wieder herzustellen, den es irgendwann einmal irgendwie gegeben haben muß. Für einige Handlungsweisen gibt es Vorbilder, andere werden vollkommen neu entwickelt und haben mit dem Ursprung nichts mehr zu tun. Es haben sich teilweise vollkommen eigene Zwangshandlungen entwickelt. Je weiter die Co-Handlungen gefestigt sind, umso weniger Streß wird es zwischen den Partnern geben. Der Streß wird irgendwie von beiden &quot;nach Außen gedrängt&quot;, die Streßmomente und Ursachen sind also in der Außenwelt verlagert. Jedem ist klar, daß dies letztlich nur ein Trugschluß, eine Lüge ist. Es dauert allerdings eine ganze Weile und kostet eine Menge kraft, um genau diesen Punkt zu erkennen. Erkennen, daß es keine Liebe, sondern das blinde Unterstützen einer Krankheit ist. Man stelle sich vor, man hat einen Partner, der unter permanenten Brechdurchfällen leidet und man tut alles, damit der Partner nicht aufhören muß, krank zu sein. So kann man helfen, man muß helfen, der Partner, ist in seiner Rolle als Kranker gefangen. Vielleicht gefällt sich der partner darin, nicht wissend, in welcher Gefahr er sich befindet.<br /><br />
Also ein neuer Begriff, Helfen. Oder noch besser, Helfersyndrom. Süchtig nach helfen müssen, zwanghaft helfen müssen, der Zwang zum Helfen, die Sucht, für andere da sein zu müssen. Wo ist in diesem Punkt der Unterschied, wo ist die Grenze zwischen Sucht und Zwang? <br /><br />
Die Frage nach dem Unterschied stellt sich hier nicht. Eine Sucht, helfen zu müssen, wäre nur ein Teilaspekt, der hier allerdings kaum etwas zu suchen hat. Eher wäre es tatsächlich der Zwang, helfen zu müssen. Man kann sich vorstellen, daß es auch für einen Zwangserkrankten wenig Spaß macht, sich tagtäglich für längere Zeit unter die Dusche zu stellen und Tagein tagaus nichts anderes zu machen, als sich einzuseifen, abzuduschen, Hände zu waschen, aufpassen, daß man sich weit genug von allem &quot;Schmutzigen&quot; fern hält usw. Ähnlich ist es auch für einen Co-Abhängigen mit ähnlich gelagerten (eigenen und angenommenen fremden) Beschwerden. Man hasst es quasi, ständig für den anderen da zu sein und man hasst es auch, den Partner unterstützen zu müssen, obwohl man es selbst überhaupt nicht will, stattdessen etwas anderes machen würde und sinnvollere Pläne im Kopf hat. Der Grund ist, daß man sich nicht abgrenzen kann. Weder kann sich der Partner gegen das Zwangsverhalten abgrenzen noch ist man als Angehöriger und Co-Abhängiger in der Lage, sich gegen das Verhalten des Partners abzugrenzen.]]></description>
<pubDate>Fri, 28 Dec 2007 22:23:34 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>3. Emotionale Erpressertouren</title>
<link>http://zwanghaft.blogg.de/eintrag.php?id=4</link>
<description><![CDATA[Man kennt es vielleicht von Freunden, Bekannten oder auch aus der eigenen Kindheit, möglicherweise, es würde allerdings selten jemand zugeben, von sich selbst, nämlich emotionale Erpressung. Meist funktioniert sie nach einem simplen Schema, einfach aber meist wirkungsvoll: entweder du tust, was ich will oder alle Welt sieht, dass ich depressiv bin und weinen werde und du bist schuld daran! <br /><br /> Das ist nur ein Beispiel für emotionale Erpressung. Die Varianten und Möglichkeiten sind extrem vielfältig, genauso wie die Gelegenheiten, die man mit derartigen Erpressereien &quot;lösen&quot; kann. Beispielsweise Weihnachten feiern. Frage: Wie kann man seinen Willen durchsetzen, damit möglichst die komplette Familie am heiligen Abend an einem Tisch sitzt? Die Antwort ist so ziemlich einfach. Man knallt all jenen die tatsache an den Kopf, dass ja bald Weihnachten ist und man sich wünscht, dass alle zum Fest zusammen kommen. Dabei werden Tränen vergossen und alles in einem möglichst depressiven Touch gesehen. Allerdings, alles wird wieder gut, wenn der Wille erfüllt ist, ist Weihnachten vorbei, sind also alle wieder froh und glücklich und entspannt. Das Gemeine an einer solchen Erpressung ist allerdings auch die Tatsache, daß man es niemandem vorwerfen, geschweige dem beweisen kann. Zumindest ich kann es nicht.<br /><br />
Allerdings, bis es soweit ist, herrscht erst einmal Ruhe und es kommt die innerliche Spannung auf, einer Erwartungshaltung entsprechen zu müssen. Ergo: was für ein Quatsch aber auch! Aber um die Sache noch ein wenig mehr zu verkomplizieren, man möchte es ja allen recht machen und möglichst wenig böse Blicke ernten, es wird versucht, sich &quot;diplomatisch&quot; aus allen Affairen zu ziehen bzw. alle &quot;Events&quot; in einen zeitlich abgesteckten Rahmen zu fassen. Als Ergebnis dieses &quot;diplomatischen&quot; Versuches bleibt nur die Hoffnung, möglichst keinen Aufstand zu verursachen.<br /><br />
Gespickt ist natürlich alles damit, dass eine imaginäre oder auch reale Schuld weit weg geschoben wird. Schuld für Dinge, die teilweise so belanglos sind, dass sie jeder normale Mensch nicht einmal wahr nehmen wird. Es werden auch Dinge konstruiert und regelrecht ummanipuliert. Im Mittelpunkt steht, wie immer, das altkluge <b>du hättest</b>.<br />
Man kann allerdings auch noch anderes erpressen. Beispielsweise unbedingte Loyalität, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Ich meine, man kann als Zwansgerkrankter versuchen, Aufmerksamkeiten zu erpressen, egal wie und mit welchen Mitteln. Erlaubt ist im Grunde alles, was vorhanden ist. Nicht umsonst gilt auch hier der Spruch, dass der Zweck die Mittel heiligt. Der Zweck in diesem Falle war Abgrenzung von der eigenen Familie, wobei die Art und Intensität dieser Abgrenzung mir bisher unklar war. Aber als Borderliner müsste ich es eigentlich besser wissen; <i>meine Mutter ist die Beste</i> oder auch <i> ich will zu meine Mutti</i> sind die positiveren Aussagen meiner Lebensgefährtin über ihre Mutter. <i>Die Frau ist sowas von senil</i> und <i>die kann einfach nicht mehr hören. Sowas gehört nicht auf die Straße</i>. Dabei sind es die normalen Dinge, die auch eine ältere Frau von 70 Jahren absolviert und die eine Zwangserkranktew von nicht einmal 40 Jahren auf die Palme bringen. Warum, das weiß der Geier. Zumindest funktioniert hier die Abgrenzung teilweise. In den Teilen, in denen sie funktioniert, ist diese grenze undurchdringlich, brutal, unberechenbar, böse, gemein, eiskalt und einfach undurchdringlich. Es geht teilweise um Dinge, die mit einem Zwang unvereinbar sind. Ich muß allerdings auch bemerken, dieses Abgrenzungsprinzip, bestehend aus <i>damit komme ich nicht klar, das muß ich nicht erklären, das ist einfach so, basta!</i> funktioniert auch sehr gut bei anderen Gelegenheiten. Einfacher ausgedrückt, <i>wenn ich was nicht hören will, schalte ich das Hörgerät aus</i>. Die Angelegenheit hat nur einen gewaltigen Nachteil, die Umwelt fühlt sich in diesem Moment ausgenutzt, veralbert und nicht selten auch missbraucht und terrorisiert.<br /><br />
Apropos Abgrenzen und Terror. Nicht selten habe ich das gefühl, der Puffer zwischen meiner Lebensgefährtin und ihren Eltern, insbesondere ihrer Mutter zu sein. Als Borderliner kann ich selbst Sätze wie <i>stell dich nicht so an</i> oder auch <i> hab dich nicht so, es ist alles nicht so schlimm</i> oder ähnlichen Unsinn nicht mehr hören. Es ist diskriminierend, verlogen und zeugt einfach nur von Unverständnis und Desinteresse an seinen Mitmenschen, leider in vielen Fällen auch seiner eigenen Familie. Dummerweise kommen genau jene abwertdenden oder auch abwehrenden Phrasen in dieser Familie vor. In gewisser Weise fließen sie in viele Situationen und Gespräche ein und nicht immer ist man sich dessen bewußt. Erst der Bruder meiner Lebensgefährtin hatte mich vor einigen Jahren auf diesen Umstand hingewiesen, vor allem mit dem Problem seiner Interpretation fehlender oder falscher Mutterliebe. Zurück zum Thema.<br /><br />
Heute ist Weihnachten. Da der haushalt ihrer Eltern für meine Lebengefährtin aus Zwangsgründen problematisch ist, hatte ich bereits insgeheim den Entschluss gefasst, allein zur schwiegerelterlichen Beschehrung zu gehen. Es war auch in Ordnung und wurde so akzeptiert. Bis dahin war auch alles soweit in Ordnung. Das weihnachtliche Duschen zog sich mit fast 4 Stunden in die Länge, dann war hier etwas und da etwas &quot;dreckig&quot;, was sich, inclusive komischer Diskussionen, endlos in die Länge zog, letztenendes, nach sage und schreibe 6 Stunden war die &quot;Duschszene&quot; beendet und ich konnte meine Schwiegereltern besuchen. Es war auch ausgemacht, daß keine Geschenke getauscht werden. Schon ausgegebenes Geld, bereits gekaufte Geschenke etc., jedenfalls war kein Geld für Weihnachtsgeschenke mehr da und es war auch in Ordnung. Da überraschte es mich trotzdem ein wenig, daß ich bzw. wir plötzlich mit keinen Aufmerksamkeiten (<i>aus dem ansonsten imaginär schmutzigen, elterlichen Haushalt!</i>) bedacht wurden. Im Grunde genommen wäre es auch kein Problem gewesen. Die eine Hälfte hätte  ich quasi &quot;medienwirksam&quot; säubern können, die andere Hälfte hätte ich gegessen. Ich müsste sowieso alles alleine essen, weil kaum etwas, was meine Beinahe-Schwiegermutter kocht, für Lactose- und Fructoseproblematiker geeignet scheint. Das Problem begann erst, als ich mit den Dingen wieder zu Hause auftauchte.<br /><br />
Als erstes kamen Brüller wie <i>Das glaube ich jetzt nicht!</i> oder auch <i>Wer hat gesagt, daß du irgend etwas mitbringen sollst?</i>. Die vollkommen falsche Frage weil <i>ich habe nicht gesagt, du sollst von da drüben irgend etwas mit hierher bringen.</i> Ich &quot;vergaß in dem Moment, daß ich nicht allein lebte. In diesem Moment zeigte sich deutlich, daß die Zwangserkrankung meiner Lebensgefährtin versuchte, zu dominieren. Es folgten Beschimpfungen, Beleidigungen und Beschuldigungen. Und altbekannte Schuldzuweisungen, die ich als absolut entwürdigend und diskriminierend empfinde: <i><u>Hättest du</u> mich vorher gefragt, ob du was mitbringen darfst, <u>dann hätten wir</u> das Problem nicht.</i> Wobei ich mich frage, welches Problem eigentlich, denn das hatte meine Lebensgefährtin nicht erklärt.  Nach zwei, drei weiteren Sätzen war ich auch auf 180 und ging dann zum Gegenangriff über. Ich gebe zu, meine Reaktion war ebenfalls nicht angemessen aber ich sehe mittlerweile keine Möglichkeit mehr, mir wenigstens etwas Gehör und Respekt zu verschaffen, als lauter als meine Lebengefährtin zu werden. Werde ich es nicht, dann werde ich nicht einmal ernst bzw. als Mensch, Partner und Lebengefährte wahrgenommen. Vom Respekt mal ganz zu schweigen. Es folgten dann Brüller wie <i>Schreib schon mal die Kündigung, ich packe nacher meine Sachen.</i> oder auch <i>Hallo? Rede ich schwedisch oder warum verstehst du mich nicht?</i> Fakt ist hierbei, vor Panik und Angst hört meine Lebensgefährtin zwar aber sie versteht und verinnerlicht nichts mehr. Ich bin der Meinung, mit Absicht.  <br /><br />
Erst, nachdem ich ihr gesagt hatte, sie könne von nun an Weihnachten allein feiern, entspannte sich die Situation allmählich. Meine Partnerin versuchte, sich bei ihrer Mutter auszuheulen, was allerdings nicht klappte, weil diese sofort wieder auflegte, dann schaute sie mir eine Weile wie ein gegrillter Dackel beim Sauer sein zu. Ich habe hinterher noch nie so innerlich gekocht vor Wut, weil mir noch nie jemand gesagt hatte, ich sähe sexy aus, wenn ich wütend bin.<br /><br />
Erst dann entspannte sich alles wieder und die zwei Bordies beruhigten sich entgültig. Und erst ab diesem Moment war es möglich, wirklich entspannt Weihnachten zu feiern. Ohne Streß, ohne <u>Zwang</u> und ohne sich an festglegte Rituale halten zu müssen, einfach nur Weihnachten.]]></description>
<pubDate>Tue, 25 Dec 2007 01:18:45 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>2. Komische Essgewohnheiten und Hätte-Situationen</title>
<link>http://zwanghaft.blogg.de/eintrag.php?id=3</link>
<description><![CDATA[So kurz vor Weihnachten ist es nicht immer einfach, von Geld, was man ja eigentlich nicht hat, etwas zu kaufen, um wenigstens die Illusion eines  Adventes und eines Weihnachtsfestes aufkommen zu lassen. Meine Partnerin ist doppelt gestraft. Sie kann keine normalen Lebensmittel essen, sie leidet an einer Laktoseintoleranz. Zusätzlich verträgt sie auch kaum etwas, was sich mit Fruktose beschäftigt. Zusätzlich also noch eine Fruktoseintoleranz. Ich muss dazu sagen, ein Arzt hat diese Dinge nicht festgestellt. Das würde voraussetzen, dass sie das Haus verlassen und sich in die feindliche Welt begeben würde, ein Ding der absoluten Unmöglichkeit. Andererseits, wir haben vor Durchfall, Blähungen und Verstopfungen Ruhe, seit dem wir ihre Ernährung auf laktosefrei. fruktosefrei und auf bestimmte Lebensmittel beschränkt haben. Gesunde Ernährung kann man das allerdings nicht nennen. Eher könnte man die Mängel mit einem &quot;Das geht schon, das passt schon!&quot; abtun. <br /><br /> Die Sache mit den fruktosefreien Lebensmitteln hat nur einen entscheidenden Nachteil, sie ist furchtbar teuer. Da wäre als Beispiel Reissirup. Zum Süßen einigermaßen geeignet, absolut fruktosefrei und verträglich. Die Angelegenheit kostet allerdings knapp 5 Euro für 600 ml. Das &quot;Das passt schon&quot; Credo ist ein nützliches instrument, mit denen man den halben Alltag verschlimmbessern kann. Passend beispielsweise ist auch das Mittagessen. Nachdem ich gestern noch den halben Abend gebacken hatte, fruktose- und laktosefrei, versteht sich, gab es heute etwas zum Mittagessen, was so mancher als verspätetes Mittagsfrühstück zum vierten Advent bezeichnenen würde, nämlich Kuchen und Torte aus Mürbeteig. Nicht besonders süß und auch nicht zuckerhaltig, über die Nährwerte kann man dennoch streiten. Aufgrund der Fruktoseprobleme habe ich meine Partnerin noch nie Obst oder Gemüse, außer grünen Salat bzw. Gurken, essen sehen. Zugegeben, das meiste ist mit Fruchtzucker durchsetzt, man ahnt es gar nicht, welche Obst und teilweise auch Gemüsesorten Fruchtzucker enthalten. Dennoch, schon allein aus Angst, es könnte &quot;schlimmes&quot; passieren, verzichtet sie auf alles, was im Normalfall als gesund bezeichnet wird.<br /><br />
<b>Der <i>Hätte</i> Faktor.<br />
Man kennt das ja, <i>wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...</i>.<br /><br />
Oder anders herum, wenn man hätte wie man könnte, dann hätte man auch und wenn man hat dann hätte man vielleicht... Es gibt da etwas, was vielleicht auch zur Zwangserkrankung gehört. Ich schreibe mit Vorbehalt &quot;vielleicht&quot;. Möglicherweise  sind es auch die Eigenarten eines anderen Menschen oder möglicherweise die Gemeinheiten eines Borderliners. Immerhin gehen bei meiner Partnerin Borderline und Waschzwang Hand in Hand und das Eine vom Anderen zu trennen, ist, besonders in diesem Fall so gut wie unmöglich.<br /><br />
Und was ist passiert, was vielleicht <b>hätte</b> anders ablaufen können? Für Normalmenschen eigentlich nichts besonders. Man räumt den Tisch ab und dann passiert das, was vielleicht tagtäglich in jedem deutschen Haushalt vorkommt, das Besteck fällt runter. Wenn der- oder diejenige besonders geschickt ist, dann landen die benutzten Messer und Gabeln auf T-Shirt und Hose. Im Grunde genommen kein Drama. Hier entwickelt sich allerdings gerade eines, an dem sich gleich zwei mal Borderline und einmal Zwang nach oben pushen. Das Abendessen war keine Minute vorbei und ich gerade am abräumen. Die erste Feststellung nach dem Mißgeschick war:<br /><br />
<i><u>Hättest du</u> mein Geschirr vorhin abgeräumt, <u>dann wäre</u> es jetzt halb so schlimm.</i><br /><br />
Mit anderen Worten, da Meine Partnerin ja zusätzlich noch ihre Regel hat, ist das von ihr benutzte Geschirr und Besteck &quot;besonders dreckig&quot;. Und ausgerechnet dieses Besteck ist auf meiner Hose und meinem T-Shirt gelandet. Zugegeben, es ist nicht wirklich lecker, Magarine und Süßkram auf den Sachen zu haben und ich hätte ohnehin die Sachen wechseln müssen, aber der Satz, der mit <u>hätte</u> begann, brachte mich von jetzt auf nacher auf die Palme. Kein Mensch kann verlangen, dass ich sofort und während mein Partner noch den letzten Bissen zerkaut, das Geschirr &quot;entsorge&quot;, soll heißen, in den (ich <i>hätte</i> ihn ja schon vorher öffnen sollen, damit ich nichts berühre) geöffneten Spüler stelle. Jeder kann sich vorstellen, dass mir das <i>hätte</i> ziemlich sauer aufstieß. Und zwar so sehr, daß ich selbst ziemlich laut geworden bin (schätze ich mal). Ich weiß nun nicht mehr, welche Pseudofragen ich ihr provokant an den Kopf geworfen habe, ich stelle und stellte die Frage, warum nun ausgerechnet und schon wieder ich die Schuld trage. Vor allem, welche Schuld? Jeder, der im haushalt etwas macht, Hausfrau oder-mann, wird etwas fallen lassen, ohne dass es gleich zu dramatischen Schuldzuweisungen kommt. In diesem Fall allerdings schon. Ich empfinde die Situation als ziemlich unberechenbar, weil ich selten abschätzen kann, wann ich gerade schuld bin, <i>weil ich etwas hätte anders machen können</i>. Paradox ist auch die Vorstellung und feste Meinung meiner Partnerin, ich müsse wissen was sie will. <i>Hätte</i> ich es gleich gewusst, <i>dann wäre</i> es nicht passiert. Jeder Normalo würde Gespräche, die so geführt werden als extrem arrogant und durchgeknallt bezeichnen. Aber kein Normalo kann sich vorstellen, was im Kopf einer Zwangserkrankten und Borderlinerin abgeht und selbst für mich ist nach Jahren in dieser Beziehung nach längst nicht alles klar.</b>]]></description>
<pubDate>Sun, 23 Dec 2007 19:40:18 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>Liebes Tagebuch...</title>
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<description><![CDATA[Im Gegensatz zu den anderen Tagen war es heute relativ &quot;ruhig&quot;, sofern man das so nennen kann. Ok, S. ist momentan unberührbar, jedesmal wenn sie ihre Regel hat, ist es besser, sie spinnt sich in ihrem imaginären Kokon ein, sie sit der Meinung, sie sei &quot;schmutzig&quot;, dabei ist es vollkommen normal für eine Frau, wenn sie ihre Regel hat.  <br /><br /> Allerdings kann sich jeder vorstellen, wie aufreibend es sein kann, &quot;Vorsichtsmaßnahmen&quot; zu treffen und jede handlung schon Tage vorher zu planen, sei es, was man alles zum Essen kochen braucht, wann welches Kleidungsstück gebraucht wird, in welcher Reihenfolge es wie und vor allem wo abgelegt wird, damit alles &quot;von oben nach unten&quot; abgearbeitet werden kann. Überstrukturierung ist Eines der grundlegensten Streitpunkte, die es in einer solchen Konstellation geben kann. Einer der Partner hat überhaupt keine Struktur verinnerlicht, der andere Partner besitzt zu viel davon und es wird strukturiert und geplant, daß es schon schmerzt.<br /><br />
Der Tag begann mit den tagtäglichen Handlungen, mit dem, was an einem Wochenende schon seit längerer Zeit begann, einkaufen. Nicht etwa, wir beide zusammen würden einkaufen oder meine Partnerin würde einkaufen, nein, seit wir uns kennen, hängt fast der komplette Haushalt an mir, kochen, waschen, putzen, sauber machen und auch einkaufen, welche Überraschung.<br /><br />
Ein Part meiner Probleme mit ADS ist es, kaum oder überhaupt keine Struktur in alltägliche Dinge zu bekommen und so, vor allem, ohne Hilfsmittel wie entsprechende Medikamente, im unübersichtlichen Chaos zu versinken. Nein, ich bin kein Messi, keiner hier ist auch nur im Entferntesten dazu geneigt, Messi zu werden. ADSler haben etwas mit abgefeuerten Stinger Raketen gemeinsam. &quot;Fire and forget&quot; könnte man das Prinzip nennen. Oder in diesem Punkt, etwas aus der Hand legen und dann einfach vergessen. Es spielt dann auch keine Rolle, ob es Papiere, Alltagsgegenstände, Geld oder auch Küchengeräte sind. Kurze Zeit später erinnert alles an ein heilloses Durcheinander. Der Vergleich mit &quot;Hempels Sofa&quot; ist teilweise wirklich angebracht.<br /><br />
Da ich heute mal nicht meine Medikamente vergessen hatte, gingen so einige Dinge leichter von der Hand, die Sache verlief &quot;strukturierter&quot;. Ich muss dazu bemerken, eigentlich müsste ich es merken, wenn ich meine Medikamente vergessen habe. Im Grunde ist der Unterschied Ritalin oder kein Ritalin deutlich spürbar und die Einnahme des Medikamentes verspricht auch Besserung. Die Sache hat nur einen entscheidenden Haken, der teilweise ohne fremde Hilfe nicht funktionieren wird: das Erinnern an die Einnahme der Pille. Wie oft hatte ich es vergessen, regelmäßig meine Medikamente zu nehmen. Wie oft musste ich mich später &quot;schmerzlich&quot; erinnern, daß ich es vergessen hatte und wie oft gab es deswegen Streit und böse Worte. Zum Teil war die Ursache kaum 5 Millimeter im Durchmesser und kaum ein Gramm schwer. Heute Morgen hatte ich daran gedacht und so verlief auch der Tag entsprechend ruhig. Ruhiger wurde es auch, als meine Partnerin mitteilte, sie müsse nicht duschen. Duschen bedeutet hier so etwas wie Kampf. Sie beginnt zu duschen, meine &quot;Aufgabe&quot; ist es, die Wohnung zu säubern, während sie duscht. Die gesamte Duscherei dauert etwa 2-3 Stunden, das Putzen etwa eine Stunde. Mit allen Nachbereitungen sind wir also alle 2 Tage etwa 5 Stunden mit Dingen beschäftigt, die für den &quot;Normalo&quot; vollkommen gaga sind. Ich meine, weelcher normale Mensch geht aufs Klo, duscht danach und putzt die Wohnung? Ohne Wasch- und Putzzwänge ist diese Handlungsweise absolut nicht vorstellbar.<br /><br />
Vielleicht ist das der Grund des heutigen &quot;Nicht-Streitens&quot;. Zumindest nicht streiten um Zwangsangelegenheiten. Ansonsten, das Positionsgerangel bei Meinungsverschiedenheiten ist nach wie vor an der Tagesordnung. Da tauchen Fragen auf, warum der eine den Anderen nicht versteht und warum Erklärungen so unverständlich sein sollen. Es gibt es ständig böse Worte wegen angeblicher &quot;Unachtsamkeit&quot; und vor allem und immer wieder, des gegenseitigen Verständnisses. Unachtsamkeit beinhaltet Dinge wie, ohne es zu merken, vor Türrahmen zu stoßen, die &quot;schmutzig&quot; sind oder auch mit Händen und Armen irgend wo dagegen zu kommen und es absolut nicht mit zu bekommen. Meine partnerin versucht schon seit geraumer zeit, mir diese &quot;Betriebsblindheit&quot; einzusuggerieren und nach langer Zeit ist es wohl für jeden verständlich, wenn ich dann in die Luft gehe. Man stelle sich vor, man wird in seinen täglichen Gewohnheiten und Bewegungen einge<b>zwäng</b>t und so, wie man einem kleinen Kind sagt, was es zu tun und zu lassen hat, wird der Versuch einer &quot;Erziehung&quot; im Sinne eines Zwanges unternommen. Es mag vielleicht am Anfang noch einfach sein, mit Engelszungen und Geduld dagegenzureden und die gemüter zu beruhigen, aber wenn es tageintagaus passiert, wenn jeder Tag mit &quot;Pass auf, du kommst...&quot; begleitet wird und man weiß genau, daß die Einbildung nur Einbuildung ist, dann ist man diverser Erklöärungen und Beschwichtigungen sehr schnell überdrüssig und die Stimmung wird gereizter. So auch in diesem Fall. Dabei stellt sich die Frage, ob ein zwangserkrankter Mensch nicht am besten in einer Halle ohne Wände leben sollte, mit berührungslos bedienbaren Haushaltsgegenständen und am besten hinter einer dicken Mauer, um den Schmutz der bösen Welt nicht ausgesetzt zu sein. Ein Mausoleum vielleicht?]]></description>
<pubDate>Sun, 23 Dec 2007 17:49:45 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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<title>Zwang Zwanghaft Zwang Haft ?</title>
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<description><![CDATA[Warum dieser Weblog?<br /><br />
Manche Menschen ertragen ihr Schicksal ohne Murren und knurren und in so mancher Beziehung scheinen sich Verhaltensweisen einzuschleichen, die man irgendwann als sonderbar und komisch oder irre und durchgeknallt bezeichnen würde. <br /><br /> Diese Beziehung hier ist eine davon. Eine Beziehung, die sonderbar ist, die ein Außenstehender als irre und durchgeknallt bezeichnen würde und wenn man länger zuschaut, würde man den Eindruck eines traurigen Theaters bekommen. Der Titel ist mit Absicht gewählt. Es geht um Zwänge und in bewissem Sinne auch um Haft. Zwanghaft sind Menschen, die mehr oder weniger von gewissen Umständen gezwungen werden, bestimmte Handlungen immer wieder durchzuführen, ob sie wollen oder nicht. Angehörige sind in diesem Punkt, wenn sie zu ihren Partnern stehen, mehr oder weniger &quot;abhängig&quot; oder auch in diesen Zwangshandlungen &quot;verhaftet&quot;. Ohne weiteres ist es nicht möglich, sich aus diesem Labyrinth aus ewig gleichen Handlungen, die regelrecht &quot;aufgezwungen&quot; sind, zu befreien, es sei denn, man macht einen radikalen Schnitt und beendet die Beziehung.<br /><br />
Ich habe mich gegen eine Trennung entschieden, auch wenn ich desöfteren kurz vor diesem Schritt stand, meine zwanghafte Partnerin hat mich ziemlich oft an die Grenzen meiner eigenen Möglichkeiten gebracht oder besser, ihre Zwang hat meine Unfähigkeit, mich abgrenzen zu können und &quot;helfen zu müssen&quot;, fast bis aufs Blut ausgenutzt. Man könnte beinahe von Ausbeutung sprechen. Wichtig hierbei ist aber. dass diese &quot;Ausbeutung&quot; eines Helfersyndroms nicht vom zwangshandelnden Menschen sondern von dessen Zwang ausgeht! Wen kann man also im Ernstfall die Schuld in die Schuhe schieben?<br /><br />
Diese Beziehung belasten mehrere Dinge. Wir beide, meine Lebensgefährtin und ich, haben mit der Persönlichkeitsstörung <i>Borderline</i> zu kämpfen. Bei meiner Partnerin kommen oben erwähnte Zwänge hinzu, um genau zu sein, es handelt sich hier um Wasch- und Putzzwänge, die sich in den letzten 20 Jahren manifestiert haben. Bei mir sind es zusätzlich noch Defizite in Aufmerksamkeit und Konzentration und diverse Phobien. Soziale Phobie ist eines der Hauptprobleme. Vom Leben und Umgang miteinander, davon handelt dieser Weblog. Ich möchte hier auch nicht den Stress der letzten 3 jahre aufwärmen oder verarbeiten. Gelegentlich werde ich Dinge und Handlungen aus der Vergangenheit dem Aktuellen gegenüberstellen, wenn es sinnvoll und notwendig sein könnte. Der Leser soll sich selbst ein Urteil bilden.]]></description>
<pubDate>Sun, 23 Dec 2007 17:48:09 +0100</pubDate>
<dc:creator>Borderlight</dc:creator>
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